3. Nachhaltige Entwicklung

Die EU hat sich der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen verpflichtet. Dieses wird unter dem Begriff „Nachhaltigkeit“ zusammengefasst. Als Querschnittsziel hat das Prinzip Nachhaltigkeit in die Umsetzungsrichtlinien der EU-Fonds Einzug gehalten.

Nachhaltigkeit bedeutet zum Beispiel, nicht mehr Ressourcen aus der Natur zu nehmen, als sie dauerhaft geben kann. Ein Wald beispielsweise liefert je nach Lage, Witterung, usw. einen bestimmten Ertrag an Holz pro Jahr. Schlägt man dauerhaft mehr Holz, als nachwächst, geht der Baumbestand irgendwann gen Null.

Der Wald ist damit futsch, und nicht mehr in der Lage, sich aus sich selbst heraus zu regenerieren. Um solche Situationen zu vermeiden, hat sich schon vor Jahrhunderten im Bereich der Forstwirtschaft die Praxis des nachhaltigen Wirtschaftens etabliert.

Es dauerte jedoch noch ein paar Jahrhunderte, bis die Menschen in der Nachhaltigkeit ein Prinzip entdeckten, dass nicht bloß auf die Waldwirtschaft zutraf – sondern auf so ziemlich alles: einzelne Menschen, Betriebe, Omas Gemüsegarten, die Rente, die Staatsfinanzen allgemein oder den deutschen Tourismus auf Mallorca.

Was haben all diese Dinge gemein, wird der geneigte Leser nun wissen wollen. Nun, sie alle sind sog. Systeme: Komplexe, die aus einzelnen Komponenten bestehen, welche zusammenhängen, interagieren, dabei Ressourcen/Energie verbrauchen, und dabei einem Zweck dienen bzw. ein Ziel verfolgen.

Nehmen wir als Beispiel einen Maurer: Wenn ein Maurer das Ziel hat, eine Mauer zu bauen, benötigt dafür Zeit, Steine, Muskelkraft und Gehirnschmalz. Eine Mauer am Tag zu bauen, kann unser Maurer problemlos leisten. Danach benötigt er Nahrung, ausreichend Schlaf, und davor evtl. eine Flasche Bier. Das wäre nachhaltig. Bekommt er das nicht, sondern muss weiterarbeiten, wird er für die 2-3 folgenden Mauern immer länger brauchen, und irgendwann vor Erschöpfung umfallen. Dann kann er für geraume Zeit keine Mauern mehr hochziehen. Ergo war sein Handeln nicht nachhaltig.

Nachhaltigkeit wird in der Regel in 3 Dimensionen beschrieben. In der ökologischen, sozialen, und der wirtschaftlichen. Alle drei kommen bei den EU-Fonds unter die Lupe.

Bei der ökologischen Nachhaltigkeit wird überprüft, dass das Projekt nicht mehr Ressourcen verbraucht, als von sich aus regenerieren oder, falls das nicht möglich ist, genug getan wird, dass um die Ressourcen bei der Regeneration zu unterstützen. Die Ressourcen können Fischbestände sein, Feuchtwiesen, saubere Luft, Ruhe, etc.

Aber es gibt auch soziale Nachhaltigkeit: Wenn etwa eine Ausbildung Fertigkeiten lehrt, von denen absehbar ist, dass diese bald am Arbeitsmarkt nicht mehr nachgefragt werden, ist die Ausbildung sozial nicht nachhaltig, und erhält keine Förderung. Denn ihr Effekt verpufft. Lehrt sie hingegen aktuelle Fertigkeiten oder die Fähigkeit, selbst zu lernen, ist sie sozial nachhaltig, und grundsätzlich erst mal förderungswürdig.

Sind soziale und ökologische Nachhaltigkeit für ein Projekt nicht relevant oder erfassbar, muss auf jeden Fall die wirtschaftliche Nachhaltigkeit gegeben sein – denn die Bürger haben ein Interesse daran, dass ihr Steuergeld sinnvoll eingesetzt und nicht verschleudert wird.

Raucht euch jetzt der Kopf? Dann seid ihr nicht alleine: nachhaltiges Denken und Handeln ist eine Fähigkeit, die die wenigsten Menschen von sich aus beherrschen. Sie ist jedoch lernbar, wenn man ein paar alte Denkgewohnheiten über Bord wirft. Eine gute Faustregel, um die Nachhaltigkeit von etwas zu beurteilen, ist die Frage: „Würden meine Enkel froh sein, dass ich so gehandelt habe? Oder eher nicht?“