1. Geschlechtergleichstellung

„Gleichstellung ist wichtig und richtig.“– Fragt man zufällige Passanten auf der Straße, bekommt man für diese Aussage wahrscheinlich 98% Zustimmung. Sie ist allgemein anerkannt, und man muss schon sehr weit zurückblicken, will man jemanden finden, der sich dezidiert öffentlich dagegen ausgesprochen hat. Die Meinungen gehen erst dann auseinander, wenn man fragt, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um dieses Ziel zu erreichen.

Was genau ist überhaupt Gleichstellung? Weniger Geld für die gleiche Arbeit? Nimmt man nur das als Maßstab, ist Gleichstellung in Deutschland kaum ein Thema mehr. Das 21%ige Verdienstgefälle zwischen Frauen und Männer ist zum größten Teil das Ergebnis von „weniger Geld für ungleiche Arbeit“.

Frauen sind in gut bezahlten Berufen oft unterrepräsentiert. Die Gründe dafür sind vielschichtig, und in den seltensten Fällen auf willen- und wissentliche Diskriminierung zurückzuführen. Diskriminierung ist heutzutage eher strukturell bedingt: Fehlende Kindergartenplätze beispielsweise erschweren es immer noch eher Frauen als Männern, in Vollzeit in den Beruf zurückzugehen.

Diese strukturelle Diskriminierung zu beseitigen, ist eines der Querschnittsziele der EU-Fonds, und so ein wichtiges Kriterium bei der Mittelvergabe.

Will man nicht gesetzlich vorschreiben, wie Arbeitsteilung zu erfolgen hat, oder gar die freie Berufswahl nach der Schule abschaffen (was in unserer freien Gesellschaft undenkbar ist), bleibt nur die Möglichkeit Anreize zu setzen und Angebote zu schaffen.