HNF Heisenberg: Hochmoderne E-Bikes für jedes Gelände

 Nach etwa 1.300 Kilometern endet meine Tour an dem Ort, an dem sie vier Wochen zuvor begonnen hat. Im beschaulichen Biesenthal, etwa 50 Kilometer nördlich von Berlin, gebe ich mein E-Bike bei einem Unternehmen zurück, das vom EFRE gefördert wurde.
Damals bei der Abholung des E-Bikes
Mein E-Bike auf der Tour war das MD1 Men.

Ich betrete den ehemaligen Supermarkt in der Bahnhofstraße und treffe Marcel. Er arbeitet für HNF Heisenberg im Verkauf und bringt die E-Bikes unter die Menschen. Stolz erzählt er, dass er hin und wieder zum Flughafen fährt, um potentielle Kunden abzuholen. Aus ganz Deutschland, der Schweiz und dem europäischen Ausland kommen seine Kunden. Viele testen eines der sechs verschiedenen Rad-Typen mehrere Tage auf dem Berlin-Usedom Radweg, der direkt durch Biesenthal führt.

Etwas Wehmut durchflutet meine Gedanken, als ich anfange die Gepäcktaschen auszuräumen. Jeder Gegenstand erinnert mich an ein Erlebnis meiner Tour.

Die kleine Taschenlampe erinnert mich an die erste Nacht auf einem Floß. Ihre Batterien versagten nach wenigen Minuten, als ich den Grill endlich zum Glühen gebracht hatte. Danach spendete mir das E-Bike über den Akku Licht.

Die Gepäckbänder erinnern mich daran wie ich jeden Morgen das Rad sattelte, Zelt, Schlafsack, Klamotten, Technik und sonstiges Gepäck verstaute und mit etwas Übergewicht in den Tag startete.

Mein Taschenmesser erinnert mich an ein Frühstück am Gudelacksee in Lindow. Ich hatte das Fahrrad neben eine Bank gestellt, trocknete die Zeltplane in der Sonne, ging im kalten See schwimmen und aß danach Nutella-Brote. Ich liebe dieses Messer, das ich zu meinem zehnten Geburtstag von meinem Opa geschenkt bekam, aber es ist verdammt unpraktisch, wenn man versucht mehrere hundert Gramm Nutella auf ein Brot zu stapeln.

All diese Gegenstände hatten mit der Radtour zu tun und lösten unzählige Erinnerungen aus. Den wichtigsten Gegenstand würde ich jetzt für immer abgeben. Nur durch die Nutzung des E-Bikes war es überhaupt möglich die Tour zu starten, war es möglich 110 Kilometer am Stück zu fahren und danach noch Videos zu schneiden. Wir fuhren durch moosbewachsene Wälder, über Wiesen und Felder, durch Matsch und Pfützen vorbei an Rehen und Füchsen. Ohne das E-Bike wäre diese lange Tour mit all dem Gepäck schwierig geworden. Nun nehme ich Abschied.

Marcel durchbricht meine Flut an Erinnerungen und schenkt mir eine der Gepäcktaschen. Das ist eine tolle Erinnerung.

Heise I auf dem Floß
Heisi II und Gepäck
Ausflug ohne Gepäcktaschen. Den Sattelstangengepäckträger habe ich nachträglich gekauft, um das ganze Gepäck transportieren zu können.


In der Biesenthaler Wehrmühle fing alles an

Marcel fährt mich mit seinem Auto zur Biesenthaler Wehrmühle zu einem der drei Gründer von HNF Heisenberg.

Michael, dessen Vorname nach seiner Zeit in England englisch ausgesprochen wird, empfängt mich. Wir setzen uns und fangen an über HNF Heisenberg zu plaudern. Michael kam damals aus England zurück, hatte sein Softwareunternehmen aufgegeben und war auf der Suche nach einer reizvollen Immobilie, die er in der Biesenthaler Wehrmühle fand. Dort dachte er über seine berufliche Zukunft nach und fasste den Entschluss Elektrofahrräder zu bauen.

2008 wurde die Grace GmbH in der Wehrmühle gegründet. Unter anderem wurde hier damals das Grace E-Bike entwickelt, das Michael in seinem Haus direkt vor einem der großen Fenster positioniert hat. Aber auch das Smart E-Bike wurde hier für die Daimler AG entwickelt.

Stolz erzählt Michael von der Anfangszeit. Das Grace wurde bereits produziert und gut verkauft. Auch viele Prominente kauften das E-Bike. Eines Tages erhielt er einen Anruf von einem Kumpel, der ihn auf ein Foto in der Bild-Zeitung aufmerksam machte. Zu sehen war auf diesem Bild die Yacht von Leonardo Di Caprio. An der Reling lehnte Michaels E-Bike.

Zusammen mit Karlheinz Nicolai und Benjamin Börries gründete Michael Hecken im November 2014 die HNF Heisenberg GmbH. HNF steht für Hecken, Nicolai und Friends.

Bis 2016 war der Unternehmenssitz in der alten Wehrmühle. Im Juni 2016 vergrößerte sich das Unternehmen und mietete die Fläche eines ehemaligen Supermarktes.

Unterstützt wurde HNF Heisenberg bei der Gründung vom Frühphasenfonds Brandenburg (BFB). Der Frühphasenfonds gehört zum Programm des EFRE und wird von der Investitionsbank des Landes Brandenburgs (ILB) ausgezahlt.


E-Bikes von HNF Heisenberg

Heute produziert HNF Heisenberg sechs verschiedene Rad-Typen. Jedes Rad gibt es als Pedelec (bis 25 km/h) und als S-Pedelec (bis 45 km/h).

Während meiner Tour nutzte ich das Touring-Rad MD1. Eine stufenlose Schaltung, Riemenantrieb, Vorderradfederung und ein starker Bosch-Mittelmotor sorgten für entspanntes Fahren während meiner Tour. Meistens fuhr ich im Eco-Modus, mit dem ich eine Reichweite von über 100 Kilometern pro Akkuladung erreichte.

Die energiefressenden Modi Tour, Sport oder Turbo nutzte ich immer nur dann, wenn mein Tagesziel in greifbarer Nähe war. Am Abend konnte ich den Akku in der Unterkunft in etwa drei bis vier Stunden vollständig aufladen. Bei meiner Tour von Wittenberge nach Boltenhof (ca. 140 Kilometer) reichte die Akkuladung nicht. Ehe die Schlafenszeit eingeläutet wurde, radelte ich zehn Kilometer ohne Unterstützung des Akkus. Das war anstrengend, aber nicht unmöglich.

Als reines Stadtrad bietet HNF Heisenberg das Modell UD1 an. Das vollgefederte Mountainbike XF1 ist für das Gelände gedacht. Besonders ist an dem Mountainbike, dass die Hinterradfederung zusammen mit der BMW Forschung und Technik GmbH designt wurde. Die Triebsatzschwingen-Technik sorgt dafür, dass der Riemenantrieb auch bei der Fahrt im Gelände und beim Einfedern straff bleibt.

Mit Fördermitteln des EFRE wurde u.a. die Entwicklung eines Lastenrades finanziert. Das CD1 Cargo kann mit 240 Kilogramm Gewicht beladen werden und kann damit ein Auto ersetzen.

Die Verbindung von Design und Technik für die Herstellung von hochmodernen und qualitativ hochwertigen E-Bikes war stets das Ziel der Gründer. Auch ein außerordentlicher Serviceanspruch ist bei HNF Heisenberg vorhanden. Testfahrten sind jederzeit möglich. Nach dem Kauf wird das E-Bike nach Hause geliefert. Bei Problemen innerhalb der Garantiezeit werden die Fahrräder beim Kunden repariert.

Als mein erstes E-Bike, liebevoll Heisi genannt, in Luckenwalde gestohlen wurde, konnte ich mich von dem hohen Serviceanspruch des Unternehmens überzeugen. Noch am gleichen Tag hätte ich ein neues Fahrrad in Berlin in Empfang nehmen können. Doch so schnell wie das Fahrrad hätte ich es jedoch gar nicht nach Berlin geschafft.