Berufsbildungszentrum Prignitz – Bildung für die Zukunft

Nach beinahe vier Wochen auf großer Brandenburg-Tour ist ein Ort, den ich ein zweites Mal besuche, schon ein kleines Stückchen Heimat. Ich übernachte am Schillerplatz in Wittenberge im Apartment-Hotel und genieße es genau zu wissen, wo sich ein gutes Restaurant befindet, man einen Kaffee trinken kann oder an der Elbe spazieren kann.

Kennst du Wittenberge? Ich kannte die kleine Stadt an der Elbe vor meiner Reise nicht und muss sagen, dass sie eine der großen positiven Überraschungen meiner Tour ist.

Im Wittenberger Industriegebiet treffe ich im Berufsbildungszentrum Prignitz (BBZ) Nicole Goerke. Seit 2016 ist sie Geschäftsführerin der Bildungseinrichtung. Die „Rückkehrerin“ ist in Perleberg geboren, hat nach einer Ausbildung zur Industriekauffrau in Berlin studiert, im Einzelhandel Karriere gemacht und ist nun in die Prignitz zurückgekommen. Eine 60-Stunden-Woche wollte sie nicht mit ihrer Verantwortung als junge Mutter vereinbaren.
Heute hilft sie jungen Menschen beim Start ins Berufsleben.
 

 

Berufsbildungszentrum in Wittenberge

 

Verbundausbildung für die Fachkräftesicherung

Eine der wichtigsten Bildungsangebote des BBZ ist die Verbundausbildung. Unternehmen können ihre Auszubildenen neben der theoretischen Lehre am Oberstufenzentrum (OSZ) und der praktischen Arbeit im Betrieb ins BBZ senden. Das machen viele Unternehmen, die im eigenen Betriebsablauf nicht alle Lehrbereiche einer Ausbildung abdecken können.

In einem Nebengebäude treffe ich Tim Beyer. Der 19-jährige macht in Dallmin in der Avebe Kartoffelstärkefabrik eine Ausbildung zum Mechatroniker. Allerdings kann das Unternehmen nicht alle Ausbildungsbereiche abdecken, um ihn ruhigen Gewissens zum Mechatroniker auszubilden. Praktische Erfahrungen sammelt er nun im BBZ. In den letzten beiden Wochen hat er beispielsweise an der CNC Fräsmaschine gearbeitet. Eine Möglichkeit, die er ohne das BBZ nicht gehabt hätte.

Tims Ausbildungsbetrieb hat die Möglichkeit sich die Verbundausbildung fördern zu lassen und erhält Zuschüsse über das „Programm zur qualifizierten Ausbildung im Verbundsystem“.

Tim Beyer, 19 Jahre alt, macht eine Ausbildung zum Mechatroniker
CNC Fräsmaschine
Zur Veranschaulichung haben Tim und sein Ausbilder das Logo des BBZ in einen Metallblock gefräst

Beispielhafte Ausbildungsberufe des BBZ sind Mechatroniker/in, Elektroniker/in für Betriebstechnik, Elektroniker/in für Automatisierungstechnik, Elektroniker/in für Energie- und Gebäudetechnik, Elektroanlagenmonteur/in, Industrieelektriker/in oder Maschinen- und Anlagenführer/in.

 

Neues Projekt „StartSMART“ für kleine Unternehmen

Während ihrer Arbeit in der freien Marktwirtschaft hat Nicole Goerke gemerkt wie wichtig es ist sich intensiv mit jedem einzelnen Mitarbeiter zu beschäftigen. Jeder Mensch ist einzigartig, hat eigene Ansprüche und unterschiedliche Vorstellungen vom Leben. Bis zur Prüfung vorgeschriebene Ausbildungspläne, die schon Jahre im voraus einen Prüfungstermin nennen, hält sie für falsch. Jeder Mensch entwickelt sich in einer anderen Geschwindkeit. Wenn ein junger Menschn fünf Jahre braucht, um eine Ausbildung abzuschließen, dann sollte man ihm auch die Zeit dafür einräumen.

Das Projekt StartSMART, welches im April gestartet ist, geht u.a. auf solche Situationen ein. Es ist als Ausbildungsmanagement zu verstehen. Es soll Ausbildungsunternehmen beraten, begleiten, soll Fördermöglichkeiten aufzeigen und lösungsorientiert arbeiten. Gleichzeitig soll es aber auch durch eine ausgewogene Feedbackkultur auf den Auszubildenen eingehen und im Bedarfsfall Nachhilfeunterricht vermitteln.

Schon die Bewerbung beginnt bei StartSMART zentral. Der potentielle Auszubildene bewirbt sich direkt über das Projekt, schreibt nur eine einzige Bewerbung und wird dann einem Unternehmen, das zu seinem Profil und seinen Vorstellungen passt, vorgestellt. Ziel ist es im Projektzeitraum von drei Jahren bis 31.03.2020 120 Ausbildungsplätze zu vergeben.

StartSMART richtet sich an Kleinst- und Kleinunternehmen mit einer Mitarbeitergröße von weniger als 49. Es wird länderübergreifend in der Prignitz (Brandenburg) und in Stendal (Sachsen-Anhalt) realisiert und ist unter anderem vom ESF gefördert. Ziel ist es Fachkräfte zu sichern und in der Region zu behalten.

„Der Start ins Berufsleben soll ein Erfolg werden“, betont Nicole Goerke und macht klar, dass es ihr und dem Bildungszentrum um den Menschen geht.