Gaumenfreuden im Kranhaus Restaurant by Mika in Wittenberge

„Essen ist ein Bedürfnis, genießen ist eine Kunst.“ steht direkt vor mir auf einem kleinen Schild. Ich sitze im Restaurant Kranhaus by Mika und warte auf meine Vorspeise. Das Zitat von François de La Rochefoucauld, einem französischen Literaten des 17. Jahrhunderts, könnte ein Hinweis auf die Herkunft des Inhabers sein. Oder es verkörpert in nur einem Satz genau das, wofür das Kranhaus steht: Genuss.

Michael „Mika“ Drouin stammt aus der Normandie. Für seine große Leidenschaft, das Kochen, ist er schon viel gereist. Längere Aufenthalte machte er in Hamburg und auf Mallorca. In den letzten acht Jahren führte er auf der spanischen Insel mit einem Franzosen und einem Engländer ein thailändisches Restaurant.

Ein Gast aus Wittenberge war in diesem Restaurant gerne essen und lobte die Kochkünste. „Sowas brauchen wir auch in Wittenberge“, hatte er sich damals gewünscht. Ich kann nicht nachvollziehen was Mika ritt, aber einige Zeit später befand er sich mit seiner Freundin Natascha in der Prignitz und war auf der Suche nach einer Immobilie. Er wollte ein Restaurant eröffnen.

Als die Betreibergesellschaft des alten Restaurants das Kranhaus verließ, erhielt Mika einen Anruf. Die gleiche Person, die ihn nach Wittenberge gelockt hatte, war am Telefon und erzählte davon, dass das alte Lagergebäude der Firma Hofmann & Roemer zur Verfügung steht.

Wie die Geschichte weitergeht, kann man erahnen. Alternativ reicht es auch das wunderschöne alte Backsteingebäude zu besuchen, das seit 1884 als Lagerhaus diente und später einen eignen Kran besaß um die Schiffe auf der Elbe zu beladen. Bei dieser schönen Immobilie musste er nachgeben.

Die Lage des Restaurants an der Elbe in Wittenberge

 

Perfektion und Freude beim Kochen – eine gute Mischung

Wenn es um die Qualität seiner Küche geht, dann gibt Mika niemals nach. Seine Mitarbeiter können davon ein Lied singen. Wenn ihm ein Essen nicht gefällt oder ein grober Fehler unterlaufen ist, dann muss es nochmal gekocht werden. Da kennt er kein Pardon. Alles muss perfekt werden.

Ein Bild davon kann ich mir machen, als Mika in der Küche mein Essen zubereitet. Elegant streicht er Kartoffelpüree und Wasabicreme über den Teller und drapiert im Anschluss mit einer Küchenpinzette Erbsen und grünen Spargel. Es ist spannend die Arbeiten in der Küche hinter den Kulissen zu verfolgen. Die Stimmung ist trotz vollem Reservierungsbuch sehr ausgelassen. Es wird zügig gearbeitet, aber auch gelacht.

Verwendet werden ausschließlich frische Lebensmittel. Alle Zutaten liefert ein Großhändler aus Hamburg direkt an das Elbufer in Wittenberge. Täglich kreiert Mika neue Gerichte, die dann auf einer Kreidetafel zur Wahl stehe. Außerdem gibt es einige Gerichte, die wiederkehrend sind. So gibt er den alteingesessenen Brandenburgern etwas Planungssicherheit, auf der anderen Seite bekommen probierfreudige auch etwas Neues geboten.

Bis das neue Kranhaus etabliert war, hat es einige Zeit gedauert. Am Anfang gab es einige Vorurteile, „als der Franzose kam und alles anders gemacht hat.“, erzählt Mika. Weder typisch deutsche Gerichte wie Schnitzel, noch Schnecken und Froschschenkel werden hier serviert. Vielen war anfangs nicht klar, dass das Kranhaus by Mika international kocht.

Das bedeutet für Mika, dass er aus jeder Küche der Welt nur das Beste kochen und kombinieren kann. Während es mittags auch mal ein Entrecôte mit Pommes gibt, zaubert er am Abend in Sternequalität. Davon kann ich mich vor Ort überzeugen, auch wenn ich keinen blassen Schimmer habe, wie Michelin und Gault Millau ihre Sterne und Mützen vergeben.

Vorspeise: Tomaten, Büffelmozzarella und Tomatenschaum
Kabeljau auf Kartoffelpüree, Wasabicreme mit Erbsen und grünem Spargel
Crème brûlée

 
 

 

Was hat das Kranhaus mit EU-Förderung zu tun?

Mika hat während der Eröffnung seines Restaurants einen Mikrokredit der ILB in Anspruch gekommen. Von der Möglichkeit hat er zufällig erfahren, als eine Dame von der ILB bei ihm essen war. Die Konditionen des Mikrokredits sind besonders attraktiv, mit sehr niedrigen Zinsen und der Möglichkeit den Kredit jederzeit auszulösen. Aus diesem Grund nahm er den Zuschuss, der vom EFRE unterstützt wird, gerne in Anspruch. Neben einem Hausbankkredit sorgte der Mikrokredit für finanzielle Entlastung und hat ihm geholfen über den ersten Winter zu kommen.

Das Beispiel hat mir vor Augen geführt, dass man für die Beantragung von finanzieller Hilfe kein Raketenwissenschafter sein muss. Auch kleine Unternehmungen mit geringem Innovationspotential können unterstützt werden. Existenzgründer und junge Unternehmen können den Mikrokredit in den ersten zehn Jahren nach Gründung in Anspruch nehmen. Bei der Förderart handelt es sich um ein Darlehen.

Während mir das bewusst wird, genieße ich im Kranhaus schon meine Nachspeise und bin mir sicher, dass ich an diesen Gourmettempel sehr bald zurückkehren werde.