Europa im Blick – GEKO-Projekttag an der MORUS Oberschule in Erkner

Die Straßen sind an diesem Morgen in Erkner gut gefüllt. Autos halten, Eltern lassen ihre Kinder aussteigen und verabschieden sie in den Schultag. Solche Szenen bleiben mir sonst verborgen. Klar, denn wenn die Schule anfängt, wache ich erst auf.

Heute ist das anders. Ich bin in Erkner unterwegs und auf dem Weg zur MORUS Oberschule. Dort findet heute mit etwa 70 Schülern ein Projekttag der Gesellschaft für Europa- und Kommunalpolitik e.V. (GEKO) statt.

 

Was macht die GEKO?

Die GEKO unterstützt bei der Durchführung von EU-geförderten Projekten, führt unter anderem aber auch Bildungsveranstaltungen für Jugendliche und Erwachsene durch. Um Bildung geht es auch heute in Erkner. In einem dreiteiligen Projekttag soll über Europa, EU-Förderung in Brandenburg und das Gründen informiert werden.

Vor Ort schließe ich Heisi II widerwillig auf dem Schulhof an. Mit Schulhöfen und Fahrrädern habe ich in meiner Schulzeit keine guten Erfahrungen gemacht. Also schnell ins Schulgebäude und in Richtung Sekretariat. Nach dem ersten Treppenabsatz bin ich hoffnungslos verloren. Wo soll hier das Sekretariat sein? Ich frage eine Schülergruppe. Ein Junge erklärt sich sofort bereit mich zum dort hin zu begleiten. Wie freundlich und was für ein genialer Service!

Ich treffe einen Lehrer, der mir schließlich dabei hilft Heisi II in einen Fahrradraum zu bringen. Schlussendlich bringt er mich auch in die Aula. Geradeso bin ich pünktlich. Kurzes Kennenlernen mit Eva und Holger und der Tag beginnt.

 

Europa und der Förderdschungle

Eva und Holger arbeiten für die GEKO als Dozenten. Die Kunstwissenschaftlerin und der Politologe haben den Tag gut aufgeteilt.

Eva erklärt zunächst die Gründungsidee der EU: Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte Europa ein Kontinent des Friedens werden. Die ersten sechs Länder der EU waren 1950 Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande. 1973 schlossen sich der EU Dänemark, Irland und Großbritannien an. Im Laufe der Zeit wuchs die EU auf 28 Mitgliedsstaaten. Zukünftige Tendenzen diskutiert Eva kurz an. Großbritannien wird die EU verlassen. Aber wird Schottland Großbritannien verlassen und Teil der EU werden? Was ist mit der Türkei? Die Türken haben bereits in den 60er Jahren ihr Interesse an der EU geäußert und wurden bislang immer abgewiesen.

Weiterhin nennt Eva die Werte der EU und vermittelt die vielen Vorteile, die unsere europäische Gemeinschaft bringt. Irgendwann wird es lauter und auch ich habe Schwierigkeiten am Ball zu bleiben. Es klingelt und instinktiv wollen einige Schüler den Raum verlassen. Eva bittet uns noch zu bleiben. Zehn Minuten später ist dann endlich Pause.

 

Wie funktioniert Europäische Förderung in Brandenburg?

Nach der Pause finde ich mich in Kurs 2 ein. Wieder doziert Eva. Das Thema ist nun die EU-Förderung in Brandenburg. Eben haben wir gelernt, dass das Land Brandenburg in der aktuellen Förderperiode zwischen 2014 und 2020 2,2 Milliarden Euro zur Verfügung hat. Nun sind die Schüler gefragt. Wofür würden sie Geld zur Verfügung stellen? Und wie viel?

Geld für Schulen (105 Mio. €), Kindergärten (100 Mio. €) und Solaranlagen (2 Mio. €) landet zunächst auf der Shortlist der Schüler. Finanzielle Mittel für Straßen (100 Mio. €) und öffentlichen Verkehr (500 Mio. €) werden danach genannt. Pflege (800 Mio. €) und medizinische Versorgung (300 Mio. €) sind den Schülern das meiste Geld wert. Ein Schüler ist der Meinung es sollte mehr Geld für Autohäuser geben, damit bessere Automarken angeboten werden. Nicht alle sind der gleichen Meinung. Und als eine Schülerin Geld für mehr Einkaufszentren fordert, beendet ein Mitschüler die Debatte, in dem er einen Förderbetrag von 2,50 € an die Tafel schreiben lässt. Ich bin ziemlich sicher, dass er den Betrag sogar aus eigener Tasche zahlen würde.

Danach werden die vorgeschlagenen Vorhaben den Förderfonds EFRE, ELER und ESF zugeordnet. Ein leichtes Spiel für die Schüler – keine Fehler. Und dann ist nach einer Stunde auch schon wieder Pause.

Was würdest du mir 2,2 Milliarden € in Brandenburg fördern?

 

Von der Idee zur Umsetzung – so hat uns EU-Förderung geholfen

Nach der Pause wird rotiert. Meine Gruppe geht nun in Kurs 3 zu Dominic Franck. Der Unternehmer und Gründer von Fairwindel hat zugesagt den Tag zu begleiten. Er plaudert aus dem Nähkästchen und erzählt wie es zur Produktidee seiner ökologisch abbaubaren Windel kam. Seine Idee entstand schlichtweg in der Praxis. Seine Tochter war damals erst geboren und nach jedem Windelwechseln stellte Dominic fest wieviel Müll er bzw. seine kleine Tochter da gerade produziert. Zusammen mit seiner Frau und einigen Partnerunternehmen entwickelte er eine Lösung. Besonders geholfen hat ihm dabei der Businessplan-Wettbewerb Berlin-Brandenburg. Denn als Teilnehmer des Wettbewerbs musste er sich mit seiner Idee ausführlich auseinandersetzen und seine Unternehmung auf Papier bringen. Der Businessplan-Wettbewerb wird durch das Ministerium für Wirtschaft und Energie des Landes Brandenburg unterstützt und aus Mitteln des ESF gefördert.

Dominic erklärt sein Produkt

Gründung Light

Da jede Gruppe nur die Möglichkeit hat zwei Kurse zu besuchen, verlasse ich Dominics Ausführungen nach der Hälfte der Zeit und wechsle in den Kurs 1 von Holger. Holger bringt die Schüler innerhalb von einer Stunde dazu sich Gedanken über eine Geschäftsidee zu machen, Zielgruppen- und Absatzpotentiale zu überlegen und die Idee den Mitschülern zu präsentieren. Ich komme genau zum spaßigen Teil hinzu. Die Schüler sollen nun ihre Ideen präsentieren.

Unter den ersten beiden Ideen sind eine kratzfeste Autofelge und eine Trinkflasche, die den Inhalt kühlt und mit Zusatzprodukten weiter aufgerüstet werden kann und dann sogar einen Ventilator o.ä. enthält.

Danach wird eine Mikrowelle präsentiert, die automatisch misst was sich in ihr befindet und auf dieser Basis berechnet wie lange sie das Lebensmittel erwärmen muss.

Zum Abschluss wird eine Thermosflasche den Mitschülern vorgestellt, die eine Filterfunktion hat und schmutziges Bachwasser auf Wanderungen wieder rein bekommt.

Die Ideen der Zehntklässler finde ich cool. Mal sehen, ob eine dieser Innovationen in naher Zukunft umgesetzt wird. Seitens der Schüler bekommt der Tag sehr positive Kritiken. Als Eva fragt was heute hängen geblieben ist, ist es erstmal ruhig. Der erste Schüler traut sich und bekommt einen Kugelschreiber als Geschenk. Danach bricht ein kleines Feuerwerk an Erinnerungen aus. Die Schüler rekapitulieren den Tag und ich bin erstaunt wie viel hängen geblieben ist. So viel hätte ich wohl nicht zusammen bekommen. Aber ich war ja auch mit Fotografieren und Filmen beschäftigt. *räusper*

Finanziert wird die Gesellschaft für Europa- und Kommunalpolitik e.V. (GEKO) von allen drei ESI-Fonds: ELER, EFRE und ESF. Bislang wurden in über 800 Veranstaltungen mehr als 17.000 Schüler über die Geschichte und Institutionen der EU, ihre Grundlagen wie Demokratie, Marktwirtschaft und Solidarität sowie EU-Förderung der Regionen zur Verbesserung der Lebenssituation aller Bürger informiert.

BrandenBlogger trifft „Windelmann“ (Zitat eines Schülers)