Der Skate- und BMX-Park in Schwarzheide

„Wohnen am See, hat schon was“, denke ich und stürze meinen Kaffee hinunter. Ich habe direkt am Senftenberger See übernachtet und frühstücke mit Blick aufs Wasser. Das Schilf tanzt im Takt des Windes, ein leichter Wellengang herrscht auf dem Wasser und mit aller Kraft versuchen sich einige Sonnenstrahlen durch die dicke Wolkendecke zu zwängen.

Es ist erschreckend wie wenig ich Senftenberg kenne. Tante Hilde, die dieses Jahr ihren 90. Geburtstag feierte und die Schwester meiner verstorbenen Uroma ist, lebt mit ihrem Mann Achim am nördlichen Ende der Stadt. Etwa ein bis zwei Mal im Jahr sehen wir uns zu Geburtstagen oder sonstigen Feierlichkeiten. Wir kennen ihr Haus, die Straße in der sie wohnen und haben diesen kleinen Bereich Senftenbergs in den letzten Jahrzehnten kaum verlassen. Von der Landstraße ging es immer direkt zu Tante Hilde und Onkel Achim. Und nach dem Besuch direkt wieder auf die Landstraße.

Der köstliche Softeisladen am Markplatz, ein Blick über den neuen Hafen und die vielen Sport- und Freizeitmöglichkeiten rund um den See blieben mir bislang verborgen. Aus der Frage „Warum wohnen die beiden hier und nicht in Berlin?“ wurde in den letzten Tagen „Warum wohnen wir nicht hier und stattdessen in Berlin?“.

Dementsprechend genieße ich die knapp 40 Minuten bis nach Schwarzheide. Ein kleiner Streckenabschnitt verläuft am Senftenberger See entlang. Später verlasse ich den See und fahre neben Feldwegen, Straßen und Windkraftanlagen auf herrlichen Radwegen. Es gibt wirklich geniale Radwege in Brandenburg, sodass das Radfahren gleich viel mehr Spaß macht.

 

Im jungen Zentrum Schwarzheides

Zwischen Kindergarten, Musikschule und Grundschule treffe ich in der Anne-Frank-Straße in Schwarzheide Christoph Schmidt, den Bürgermeister der Stadt. Er wird von einer Kollegin aus dem Bürgerhaus begleitet. Gemeinsam laufen wir über die Anlage. Das letzte Mal stand ich vor einem halben Jahr auf einem Longboard. Ich habe einen Freund in Münster besucht und ging am frühen Morgen mit seinem Longboard üben. Mehr als ein paar klägliche Versuche auf dem Brett zu stehen und mir nicht die Beine zu brechen, kamen dabei nicht heraus. Das Kapitel Skateboard hatte ich damals endgültig begraben.

Auch Herr Schmidt gesteht, dass er kein Skater ist. Wie kam es zu dieser Anlage? Auf dem Gelände befand sich vorher eine Ruine. Das alte Gebäude der Justus-von-Liebig-Oberschule stand leer und war „ein trostloser Anblick“. Außerdem bemerkten die Bürger der Stadt, dass ein Bedarf an einem Skate-Park vorhanden ist. Im Stadtbild waren vereinzelt Skater und BMX-Fahrer zu sehen.

Skate- und BMW-Park in Schwarzheide

 

Ganz links befindet sich der Kindergarten, in der Mitte der Skatepark und rechts die Grundschule

Fördermittel des ELER lassen die Idee eines Skate- und BMX-Parks Realität werden

Christoph Schmidt betont, dass die öffentlichen Gelder einer kleinen Stadt oftmals nicht ausreichen für solche Projekte. Der Haushaltsplan sieht zunächst die Pflege von Wegen, Straßen und öffentlichen Einrichtungen vor. Einen Skate-Park genehmigt zu bekommen, wird schon schwieriger. Daher war es für ihn und die Initiatoren notwendig eine EU-Förderung zu erhalten. Ohne das Geld des ELER wäre der Bau der Freizeitanlage nicht möglich gewesen. Außerdem bedingten und ermöglichten diese Gelder ein besonders nachhaltiges Vorgehen.

Ein professioneller Skateboardfahrer aus Hessen wurde in die Planung einbezogen. Oftmals entstehen solche Anlagen unter der Feder von Landschaftsarchitekten, erklärt Schmidt. Diese Anlagen sehen dann zwar besonders schön aus, sind aber schlecht zu befahren. Aus diesem Grund entschied sich Schwarzheide bei der Planung mit einem Profi zusammenzuarbeiten. Außerdem wurden in mehreren Sitzungen die zukünftigen Nutzer eingeladen. Sie konnten Wünsche äußern, Feedback geben und gemeinsam diskutieren. Entstanden ist so eine Anlage, die sich nicht nur schön in das Stadtgebiet neben den Schulen eingliedert, sondern sich auch durch einen besonders glatten Boden und coole Elemente gut fahren lässt. Nach einer Bauzeit von sieben Monaten eröffnete Schwarzheides Skate- und BMX-Park im Jahr 2014.

Ein Skatepark für die Nutzer: Die Prellwand sollte eigentlich noch gestalten werden – dann übernahmen Fremde die Gestaltung, die bis heute bestehen blieb.

 

Zwei Tage nach meinem Treffen mit dem Bürgermeister treffe ich Patrick (@official_scooter_rider auf Instagram). Er ist bereit den Skate-Park für mich mit seinem Scooter abzufahren und lässt sich filmen. Er ist oft hier. Je nachdem wie das Wetter ist und „wie die Leute so Bock haben“ ist es mal voller und mal etwas leerer. Manchmal fahren er und seine Freunde auch nach Lauchhammer zum Skaten. Insgesamt findet er die Anlage gut. Einziger Kritikpunkt: Eine Rohrkante stört ihn an einem der Elemente. Außerdem sollte es seiner Meinung nach verboten werden auf der Anlage abzuhängen und zu saufen. Glasflaschen und Scherben nerven den Scooter-Fahrer.

Dann setzt er sich wieder mit seinem Scooter in Gang und mir bleibt die Spucke weg. Wahnsinn, wie gut der 14-jährige über die Piste gleitet und ein Kunststück nach dem anderen macht.

Wie beeindruckend Patrick mit seinem Scooter fahren kann, siehst du hier im Video.
Dein #BrandenBlogger Steven

 

 

PS: Mein Treffen mit dem Bürgermeister dauerte in Schwarzheide nur etwa eine Stunde. Bei schlechtem Wetter hatte ich keine Lust zu filmen. Also fuhr ich direkt danach zurück nach Senftenberg und besuchte Tante Hilde und Onkel Achim und erzählte ihnen wie schön der neue Senftenberger Hafen ist.