Endlich wieder Kind sein – im PiPaPo Hallenspielplatz

Ein perfekter Morgen beginnt in den meisten Fällen mit einem perfekten Frühstück. Glücklicherweise habe ich das Altstadthotel am Theater für meinen kurzen Stopp in Cottbus ausgewählt. Das bietet nämlich ein extrem reichhaltiges Frühstück. Rührei, Säfte, jede Menge Sorten Käse, frisches Brot und knusprige Brötchen. Ich lasse es mir richtig gut gehen – und das für nur 8,80 Euro.

Die letzten beiden Sommer war ich in Frankreich unterwegs. Und so sehr ich die französische Küche liebe, desto mehr hasse ich die Frühstückskultur des Landes. Baguette, Butter und Marmelade. Das wars. In Frankreich isst man eben eher süß zum Frühstück. Dafür schlemmt man abends mehr. Naja und ich schlemme eben gerne morgens, mittags und abends.

Früher habe ich sehnsüchtig aufs Erwachsensein gewartet. Zum Abendessen Nutella, Eis essen wann immer ich möchte, direkt nach dem Eis schwimmen gehen und solange spielen wie ich will. Bis heute habe ich das Gefühl, dass der Tag an dem ich erwachsen werde, erst noch kommt. Meinem Ausweis zufolge bin ich 27 Jahre alt. Aber das macht mich nicht älter als ich bin. Ich denke immer noch wie ein Kind. Und genau deshalb herrscht in mir auch eine gewisse Aufregung, als ich erfahre, dass der Hallenspielplatz PiPaPo auch von Erwachsenen genutzt werden kann.
 


 

  

2000 Quadratmeter für Spiel, Spaß und Sport

Vor Ort muss ich feststellen, dass das PiPaPo erst um 14 Uhr für die Kinder öffnet. Ehrlich gesagt hätte ich mir das denken können. Es ist mitten in der Woche und die kleinen Racker hocken noch in der Schule. Die Gründerin Jeanine verspätet sich um einige Minuten, also nutze ich die Zeit für einen ersten Rundgang um den Riesenspielplatz.

Bis Mai 2007 befand sich hier in der Welzower Str. 26 eine Schwimmhalle. Mit der Fertigstellung der neuen Schwimmhalle Lagune wurde das Gebäude nutzlos. Die Stadt wollte weiterhin nur eine Schwimmhalle betreiben. Die ehemaligen Umrisse der Schwimmhalle erkennt man noch heute, denn die Spielflächen sind in ehemaligen Schwimmbecken eingelassen. Der Boden wurde mit Sperrholzplatten ausgelegt.

Ich ziehe meine Schuhe aus, schnappe mir meine Kamera und renne los. Zunächst auf die Trampoline. Bis 100 Kilogramm steht auf einem Schild, ich schaue an mir runter, schaue zurück auf das Schild: Ach, das wird schon passen. Einige Male springe ich vorsichtig, dann geht’s mit mir durch und ich springe voller Kraft ab und fange an laut zu lachen. Erst jetzt entdecke ich zu meiner Linken zwei Handwerker. Etwas irritiert schauen sie mich an. Ich schaue schüchtern zurück und höre auf zu springen.

Wenige Minuten später krabbel ich durch ein Labyrinth mit Hindernissen, Rutschen und Sackgassen. Mal kann ich geduckt rennen, mal muss ich mich ganz klein machen. Irgendwann entdecke ich auch hier einen Handwerker. Er repariert die Netze. Er muss mich schon bemerkt haben und reagiert nicht, als ich mich näher. „Ääääähm, Hi! Ist hier der Ausgang?“ frage ich so seriös wie möglich. Ich bin etwas verlegen.

Gut, dass wenige Minuten später schon Jeanine eintrifft. Ich hoffe die Handwerker können mein Gespräch mit ihr sehen und sind sich ab diesem Zeitpunkt sicher, dass ich nur „getestet“ habe und kein Riesenbaby irgendwo entflohen ist.

 

 

 

 

Bei der Speisekarte lohnt es sich fast schon nur zum Essen herzukommen #vegan.


Von der Uni in die Selbstständigkeit

Die Geschichte des PiPaPo begann mit dem Besuch von Jeanines Tante. Sie war mit ihrem kleinen Sohn zu Besuch. Damals regnete es in Cottbus und die Familie saß zu Hause fest. Jeanines Tante erzählte, dass es in ihrer Heimat einen Indoorspielplatz gibt. Dort könnten die Kinder auch im Winter oder bei schlechtem Wetter spielen.

Was ihre Tante sicherlich nur beiläufig erzählte, brachte bei Jeanine einen Gedanken nach dem anderen ins Rollen. Sie hatte damals bereits ihr Architekturstudium beendet und konnte sich ganz genau vorstellen wie ein Hallenspielplatz in Cottbus aussehen könnte.

Ihre Idee stellte sie im März 2007 bei der Zukunft Lausitz vor und erhielt eine kostenfreie Gründerberatung. Die Gründungswerkstatt wird gefördert durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie sowie das Ministerium für Wirtschaft und Energie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Landes Brandenburg.

Parallel bot Jeanine Bürodienstleistungen an, lehrte in Sachen Präsentationstechniken und arbeitete in der Zukunft Lausitz als Betreuerin. Die Idee eines Hallenspielplatzes ließ sie nicht mehr los. Sie sparte Geld und war auf Objektsuche. Außerdem hatte sie regelmäßigen Kontakt zu den Experten der Zukunft Lausitz, die ihr viele wertvolle Hinweise mit auf den Weg gaben um einen sicheren Businessplan zu erstellen.

Der Businessplan, ihre Ersparnisse und ein Treffen mit ihrem zukünftigen Vermieter, der die ehemalige Schwimmhalle kurz zuvor gekauft hatte, erleichterten den Weg. Jeanine bekam ein Darlehen der KfW als Gründerfinanzierung und nahm zusätzlich ein Hausbankdarlehen auf. Der große Plan sollte Realität werden.

Heute schaut Jeanine zufrieden über den Spielplatz. In ihren Worten erkenne ich Dankbarkeit und gesunden Stolz. Sie ist glücklich, dass alles so gut geklappt hat. Beiläufig erzählt sie mir, wie oft sie für ihr Vorhaben wegen ihres jungen Alters belächelt wurde.

Sehr anschaulich: So hoch sind die Betriebskosten des PiPaPo

 

Die ersten drei Jahre waren hart, gesteht sie. Die Kosten für Strom und Wärme waren höher, als sie eingeplant wurden. Doch zusammen mit der Zukunft Lausitz konnte Jeanine einen Plan entwickeln. Die Kosten mussten gesenkt und die Preise erhöht werden. Heute ist ihr Hausbankdarlehen fast abbezahlt und die Planung für die Erweiterungen und neuen Highlights des PiPaPo laufen beinahe pausenlos.

Wir laufen gemeinsam über den Spielplatz. Jeanine ist eine sehr liebenswürdige junge Frau. Ihr würde ich jederzeit meine Kinder anvertrauen. Und ich bin beeindruckt wie weit sie es mit ihrer Idee geschafft hat. Seit 2014 arbeitet auch ihr Mann im PiPaPo. Und auch ihre kleine Tochter ist oft bei Mama zu Besuch. Es gibt wohl keinen besseren Ort, an dem eine Mama arbeiten könnte …