Schockmoment: Mein Fahrrad wurde geklaut

Ich plane meistens am Abend meinen nächsten Tag, suche Fahrradwege heraus und bereite mich auf die Interviewtermine vor. Jeder Tag meiner Tour ist bis auf die Minute geplant. Interviewtermine, Zeit um Videos zu drehen, Zeit für Wege, Nahrungsaufnahme und eben die Arbeitszeit am Abend für Texte und Videos und so.

Es gibt tatsächlich Tage, an denen läuft es perfekt. Das Interview läuft geschmeidig, ich lerne viel, stelle die richtigen Fragen und kann mit einem großen Sack an Informationen, Bildern und Videos weiterradeln. Und dann gibt es Tage wie heute …

Nun gut, eigentlich begann der heutige Tag super. Ich hatte in Luckenwalde im klassMo Kulturcafé ein tolles Frühstück mit den Inhabern Hilde, Thomas und einer Freundin der beiden. Herrliches Wetter, gutes Essen und nette Gespräche.

Nachdem ich beim Filmen des klassMo die Drohne gecrasht hatte, radelte ich in die Innenstadt. Glücklicherweise ging es der Drohne gut. Eine kleine Unachtsamkeit hatte dazu geführt, dass sie aus drei Metern in ein Beet krachte. Upsi. Glück gehabt – nichts passiert.

Weniger Glück hatte ich später. Am Markt 12a traf ich Bianca. Sie arbeitet für die Lokale Aktionsgruppe Rund um die Flaeming-Skate e.V. Was sie da macht, erzähle ich am besten beim nächsten Mal – das würde jetzt zu weit führen. Aber eines vorweg: Ich hatte mich riesig auf den Termin gefreut. (Update 23.05.17: Was Bianca macht, findest du nun hier.)

Wir hatten in ihrem Büro ein tolles Gespräch und entschieden uns für ein paar Filmaufnahmen in die Touristeninformation zu gehen. Ich nahm mein Fahrrad, schloß es vor dem Eingang an und wir gingen hinein.

Bianca ging etwa zehn Minuten später zurück in ihr Büro, um etwas zu holen. Nach ihrer Rückkehr fragte sie mich, wo ich denn mein Fahrrad gelassen hätte. Ehrlich gesagt verstand ich die Frage nicht. Sie war kurz zuvor direkt neben mir gewesen, als ich es angeschlossen hatte. Panisch rannte ich zum Ausgang.

Mein E-Bike war weg. Mein Heisi (Marke: Heisenberg) war verschwunden.

Ein Blick nach rechts, einer nach links. Jeder Lieferwagen wurde zum Hauptverdächtigen, jeder Passant ein potentieller Zeuge, jeder Luckenwalder ein Krimineller. Ich eilte um die nächste Ecke, Bianca ging in die andere Richtung. Nichts.

Ich frage Schulkinder auf einer Bank:
„Habt ihr ein gelb-silbernes Fahrrad gesehen?“ – „Nein.“ – „Verdammt, warum nicht?“

Vom Fahrrad keine Spur. Ach, wir hatten uns doch gerade erst aneinander gewöhnt, waren durch dicken und dünnen Matsch gefahren, waren über weite Wiesen gecruist und hatten zusammen pausiert. Wir waren Reisefreunde auf einer lange Tour, waren für einander da, haben uns getragen (Heisi jedoch meistens mich) und haben jede Menge Zeit miteinander verbracht. Heisi war bei mir Zuhause und ich habe Heisi sogar meiner Familie vorgestellt. Und dann? Spurlos verschwunden.

Ich rufe die Polizei. Sie ist wenig verwundert und will vorbeikommen, kommt sie aber nicht. Stattdessen erhalte ich 20 Minuten später einen Anruf, ich soll vorbeikommen. Bianca kommt mit mir, obwohl sie gerade anderes im Sinn hat. Ihre Katze wacht gerade aus der Narkose einer schweren Operation auf. Wir fahren zur Polizeiwache, erklären alles und verlassen die Wache mit dem Gefühl, dass Heisi wohl verschwunden bleiben wird.

Ein Streifenwagen hat Heisi gesucht. Für Straßensperrungen und Helikopter hätte die Polizei wohl nicht genügend Personal. Ich hoffe der Polizist spürt den Humor in meiner Frage. Aber irgendwie war es auch ernst gemeint. Ich hoffe Heisi geht es gut.

In meinem Kopf stapeln sich die Kraftausdrücke. Auf Facebook versuche ich den Dieb mit einem letzten Trick zum Aufgeben zu zwingen. Ich poste, dass der GPS-Sender uns zum Rad führt und er sich ergeben soll. Bisher nichts. Aber vielleicht liest er auch nicht mit.

Und dann? Ab zum klassMo, zurück zu einem vertrauten Ort, zurück zu lieben Menschen. Aufmunternde Worte, Mangokuchen und Eiskaffee. Danach sieht die Welt besser aus. Zumindest für mich. Aber wie es Heisi wohl nun geht? Ich weiß es nicht. Machs gut mein Freund. Ich hoffe wir sehen uns bald wieder! Und bitte sei mir nicht böse, wenn ich morgen einen deiner Brüder und Schwestern kennenlerne!

PS: Wie echt unglaublich, bereits um 19 Uhr hätte ich heute in Berlin ein neues Rad von Heisenberg erhalten können. So schnell habe ich es aber gar nicht nach Berlin geschafft. Daher fahre ich morgen Nachmittag aus Cottbus mit dem Zug nach Biesenthal. Ich freue mich auf dich, Heisi II.

Euer #BrandenBlogger Steven