Mit der vollautomatischen Datenerfassung von Emperra Diabetes in den Griff bekommen

 

Nach Angaben der Deutschen Diabetes Hilfe sind in Deutschland mehr als sechs Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Jeden Tag gibt es etwa 1.000 Neuerkrankungen und jeder fünfte weiß noch nicht einmal von seiner Erkrankung.

Glücklicherweise musste ich mich bisher nicht näher mit der Krankheit beschäftigen. Also lese ich vor meinem Termin mit dem vom EFRE geförderten Unternehmen Emperra nochmal nach.

Eine gute und kompakte Erklärung der Krankheit finde ich auf masgf.brandenburg.de. Weil ich es wichtig finde kurz über die Krankheit zu informieren und sicherlich nicht jeder alle Fakten parat hat, füge ich die Erklärung hier ein:

„Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die Menschen jeden Alters betreffen kann. Es gibt zwei Hauptformen: Beim Diabetes Typ 1, auch insulin-abhängiger Diabetes genannt, fehlt das Hormon Insulin. Diese Autoimmunkrankheit tritt meist im Kindes- und Jugendalter auf. Bei Diabetes Typ 2, dem nicht-insulinabhängigen Diabetes (sogenannter „Alterszucker“), kann die Bauchspeicheldrüse zwar noch Insulin herstellen, aber das Hormon wirkt im Körper nicht richtig – oder es reicht nicht aus, um den Bedarf zu decken. Zu den Auslösern eines Typ-2-Diabetes gehören Übergewicht, Mangel an Bewegung, erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck sowie genetische Faktoren. Insulin ist lebensnotwendig: Das Hormon sorgt dafür, dass die aus der Nahrung zugeführte Glukose (Traubenzucker) in die Körperzellen gelangt.“

Und wie hilft Emperra Diabetikern?

In Potsdam treffe ich in der Nähe des Nauener Tores Dr. Janko Schildt und Dr. Christian Krey. Ihr Büro liegt in der Friedrich-Ebert-Straße in einem wunderschönen alten Gebäude mit hohen Decken. Wir setzen uns in den Konferenzraum und fangen an über Emperra und das Produkt ESYSTA zu sprechen.

Das ESYSTA-System besteht aus einem Insulinpen, mit dem alle auf dem Markt erhältlichen Insuline gespritzt werden können, einem Blutzuckermessgerät und einer Basisstation, die über das Mobilfunknetz mit einem Webportal verbunden ist und sich stets Zuhause befindet. Über das Blutzuckermessgerät kann der Patient seinen Blutzucker messen und weiß auf Basis des Messwertes wie viel Insulin er sich verabreichen muss. Soweit nichts Neues. Auch mit dem ESYSTA-System macht der Patient grundlegend nichts anderes als sonst.

Der große Vorteil besteht darin, dass die Blutzuckerwerte sowie die Menge des verabreichten Insulins automatisch über die Basisstation an das ESYSTE-Portal gesendet und dokumentiert werden. Über das Dokumentationssystem haben Patient und Arzt einen lückenlosen Überblick über alle Werte.

Ohne ESYSTA wird die Dokumentation der Patienten sonst über ein händisches Blutzuckertagebuch geführt. Doch etwa 80% aller Blutzuckertagebücher werden nicht sorgfältig geführt, Daten fehlen, sind unvollständig oder falsch. Außerdem wird in den meisten Fällen nur der Blutzuckerwert, aber nicht die Insulingabe notiert. Der ESYSTA-Insulinpen mit vollautomatischer Datenerfassung ist bisher weltweit einmalig.

Das ESYSTA-System: Alles in einer Box.

 

Der ESYSTA-Insulinpen: Der erste Insulinpen mit Datenerfassung der Welt.

Ein langer Weg: Von der Idee zum Produkt

Bereits im Jahr 2000 hatte Dr. Schildt die Idee einer vollautomatischen Datenerfassung für Diabetiker. Er arbeitete damals u.a. als Kinderarzt und stellte immer wieder Probleme in den Daten der Patienten fest. Neben der für die Patienten nervigen und teilweise fehlerhaften Eintragung war die Auswertung der analogen Daten extrem kompliziert. Eine Lösung musste her. Doch wie sollte er das Projekt finanziell stemmen?

Von 2001 bis 2008 war er parallel neben seinem Job als Arzt auf der Suche nach einer Finanzierung. Seine Mühe sollte sich auszahlen. 2008 erhielt er die Zusage, dass der EFRE ihn überstützen wird. Die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) förderte das Projekt im Auftrag des Landes Brandenburgs mit einem großen Anteil. Der fehlende Geldbetrag mussten über private Geldgeber gesammelt werden.

Eine weitere Hürde bestand für Emperra darin ein Medizinproduktunternehmen zu werden. 2014 stiegt Dr. Krey als zweiter Geschäftsführer in das Unternehmen ein. Dr. Schildt war einige Jahre auf der Suche nach einem Geschäftsführer gewesen, der den Diabetes-Markt kannte. Das Unternehmen, das mit vier Mitarbeitern gestartet war, entwickelte sich. Inzwischen zählt Emperra 17 Beschäftigte.

Inzwischen ist das ESYSTA-System sogar rezeptfähig und kann vom Arzt verschrieben werden, sodass die Krankenkasse die Kosten übernimmt. Ohne Kostenübernahme der Krankenkasse kostet das komplette System inkl. unbegrenztem Zugang zum Webportal etwa 500 Euro.

Inzwischen gab es auch schon einige Auszeichnungen und Awards.

 

Welche gesundheitlichen Erfolge erzielt ESYSTA?

Von 2012 bis 2015 wurde in Zusammenarbeit mit der AOK Nordost und über 250 Patienten bewiesen, dass durch den Einsatz von ESYSTA der Blutzuckerspiegel weniger schwankt.

Patienten fühlen sich wohler, das Risiko an Stoffwechselentgleisungen sinkt und langfristig sinkt auch das Risiko an Folgeerkrankungen, wie etwa Nierenerkrankungen,
Nervenerkrankungen,
Durchblutungsstörungen
sowie das Risiko eines Schlaganfalls
oder Herzinfarkts.

Jüngere Patienten können ESYSTA über einen Bluetooth-Insulinpen sowie per App nutzen. Bluetoothfähige Blutzuckermessgeräte anderer Hersteller sind mit der ESYSTA-App kompatibel.

Dr. Schildt arbeitet auch noch heute als Kinderarzt im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Die Zeit in der Klink nutzt er, um fachlich am Ball zu bleiben. Außerdem ist seine primäre Bemühung stets den Menschen zu helfen. Das versucht er auch mit ESYSTA. Obwohl wir nicht direkt darüber sprechen, ist für mich klar, dass die Unternehmung keinen kommerziellen Hintergrund hat. Dem Gründer geht es darum das Leben der Diabetiker zu erleichtern, Lebensqualität zu steigern und Folgeerkrankungen vorzubeugen.

Eine großartige Sache!

Zufrieden und glücklich verlasse ich nach über zwei Stunden das Büro in der Friedrich-Ebert-Straße, schlendere durch das holländische Viertel und esse ein Stück Kuchen. Mich beeindrucken Gründer wie Dr. Schildt immer wieder, die sich für das Wohl Anderer einsetzen und engagieren. Und ich finde es genial, dass die Förderung des EFRE ihren Beitrag leisten konnte.

Warum keine 100%-Förderung bei Förderprogrammen?

Einen kleinen Kritikpunkt nennt mir Dr. Schildt noch bevor ich meine Sachen schnappe und mich wieder aufs Fahrrad schwinge:
Kleinen Unternehmen würde es die Gründung erleichtern, wenn die Förderung 100% betragen würde. So würde die Belastung einer privaten Gegenfinanzierung entfallen.

Ich recherchiere und finde heraus, dass der Grund dafür ist, dass mit öffentlichen Mitteln von Seiten der Verwaltung sehr wirtschaftlich und sparsam umgegangen wird. Die Einbringung eines Eigenanteils zeugt davon, dass dem Projektträger das Vorhaben wichtig ist und er bereit ist, selbst Mittel dafür zu investieren. Als Folge dessen wird er sparsamer und vernünftiger mit Mitteln umgehen, wenn es auch seine eigenen Mittel sind und nicht nur öffentliche Mittel sind.

Soweit die Theorie. In der Praxis könnte man nun darüber diskutieren, ob für so eine sinnvolle Unternehmung wie die von Emperra eine Ausnahme gemacht werden könnte.

 

Wie seht ihr das? Diskutiert doch mal mit auf Facebook.

 

Ich freue mich darauf!
Euer #BrandenBlogger Steven