Camping 2.0 mit MyMolo – Im Sommer auf dem Festival und im Winter für Obdachlose

Als ich von Potsdam über Werder nach Groß Kreutz zu einem vom EFRE geförderten Projekt radle, da wünsche ich mir mein Zelt. Wälder, Flüsse, Seen, Rapsfelder und diverse regionale Geschäfte mit Erdbeeren und Obstweinen: Hier sollte ich ein Zelt aufschlagen, eine Weile lang bleiben und einen dieser wohlduftenden Obstweine probieren.

Apropos Zelt: Wann hast du das letzte Mal in einem Zelt geschlafen? Hat es geregnet? Hattest du am nächsten Morgen Rückenschmerzen? Und bist du beim aus dem Zelt steigen über eine der Leinen gestolpert? Ja, ja und nochmals ja? Dann solltest du jetzt unbedingt weiterlesen.
 

 
So ähnlich beginnt auch die Geschichte von MyMolo. Die Gründer der „My Mobile Lodge“ waren auf einem Festival. Es hat geregnet und es war ungemütlich. Aus dem Problem eines unkomfortablen Zeltes entwickelte Nico Marotz die Idee einer stabilen, trockenen und mobilen Behausung.

Die letzten beiden Nächte habe ich auf einem Floß geschlafen. Die Erfahrung war genial, Komfort war nicht mit an Bord. Aber braucht man denn mehr Komfort beim Camping?

Ausstattung der Molos

Die größte Zielgruppe der Molos sind Festivalbesucher, die nach einer langen Partynacht entspannt ausschlafen wollen. Dafür bietet MyMolo richtige Matratzen, eine isolierte Behausung, die im Sommer angenehm kühl bleibt und an kalten Tagen kaum Wärme nach außen abgibt. Ganze sieben Quadratmeter ist eine Lodge groß. Darin befinden sich neben der Matratze Kühlschrank, Ventilator, Strom und Wlan.

Die Lodge ist abschließbar, schützt vor Regen und Nässe, ist vom TÜV zertifiziert und wird beim nächsten Wind sicherlich nicht so schnell davonfliegen wie so manches Festivalzelt. Außerdem werden über eine Kooperation mit EcoToiletten jedem Molo-Dorf auch ökologische Toiletten zur Verfügung gestellt.

Die EcoToiletten haben ihr Lager auf dem gleichen Gelände wie My Molo.

Der Weg bis zur EFRE-Förderung

Auf den deutschen Gründer und Unternehmertagen (deGUT) sind die Gründer von My Molo auf die Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) (vor dem 10.04.2017: ZukunftsAgentur Brandenburg ZAB) aufmerksam geworden. In erster Linie wurden Nico, Mathias und Fritz Experten zur Seite gestellt, die beim Erstellen des Businessplans geholfen haben. Die WFBB (früher: ZAB) arbeitet sehr eng mit der Investitionsbank des Landes Brandenburgs zusammen und hat mit dem EFRE das Ziel, innovative Unternehmen in Brandenburg zu unterstützen um dadurch langfristig das Bundesland zu fördern, Arbeitsplätze zu schaffen und die regionale Wirtschaft zu stärken.

Als das Fundament der Unternehmung geschaffen war, wurde My Molo im Rahmen der Förderung „Gründung innovativ“ mit 100.000 Euro unterstützt. Damit konnte der erste Prototyp produziert sowie das Lager in Groß Kreutz errichtet werden.

Der Prototyp

Vom Hilfe nehmen und geben

Im vergangenen Winter stellte My Molo der St. Piuskirche in Berlin-Friedrichshain vier Molos zur Verfügung. Im Rahmen eines Projektes der Kältehilfe wurden die Unterkünfte Obdachlosen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Nico ist optimistisch, dass das Projekt auch im nächsten Winter fortgeführt wird. My Molo stellte die Unterkünfte kostenfrei zur Verfügung. Lediglich ein symbolischer Euro pro Nacht wurde gezahlt. Der logistische Aufwand wurde von der Kältehilfe übernommen.

Die fehlende Mobilität der Lodges sehe ich als einzigen Nachteil. Die aktuelle Serie ist stabil, kompakt, aber auch groß und sehr schwer. Nur vier Molos passen auf einen LKW. Ein Problem, das auch die Gründer erkannt haben. Die nächste Generation der mobilen Lodges wird über ein Faltsystem beim Transport wesentlich platzsparender sein. Statt vier werden dann zwanzig Lodges auf einen LKW passen.

Wer die Molos außerhalb der Festivalsaison testen möchte, kann die QBE Hotels besuchen. In Berlin bieten die QBE Hotels außergewöhnliche Unterkünfte für Touristen – unter anderem auch vier Molos.

 

Und während ich von der ersten Nacht in einer Molo träume, kuriere ich erstmal meine Hand. Beim Filmen des Outros für das Video über My Molo bin ich doch tatsächlich volle Möhre auf dem Schotter hingeknallt. Das linke Knie geschürft, die rechte Hand zerkratzt – aber dem E-Bike geht es gut. Und das schlimmste? Die Szene ereignete sich außerhalb des Bildes der Kamera …

Cheerio aus Groß Kreutz! Das nächste Projekt, die Emperra GmbH, liegt wieder in Potsdam.
Euer #BrandenBlogger Steven

(Sag ich doch, dem Fahrrad geht es gut!)